Weinberg 24
Weinberg 24

Vier Weinstars in Berlin
Vier Weinstars geben sich in Berlin die Ehre

Mitte Mai gab es für einen ausgesuchten Kreis eine imposante Weinprobe! Die Protagonisten waren Joachim Heger vom Weingut Dr. Heger, Paul Fürst vom Weingut Rudolf Fürst und der ungekrönte Weinkönig von Deutschland Helmut Dönnhoff vom Weingut Hermann Dönnhoff. Dieses Deutsche Trio wurde unterstützt von Daniel Gantenbein, der mit seiner Frau in der Schweiz ein Weingut führt, dessen wenige Weine so rar und teuer sind, dass man fast annehmen könnte, sie seien Fiktion!

Paul Fürst gehört seit etlichen Jahren zur Gebietsspitze von Franken. Er präsentierte an diesem sonnigen Nachmittag ein paar Beispiele seines Könnens von den Jahrgängen 2007 - 2009. Die beiden Weißweine aus der Serie Pur Mineral zeigten die Stärken des Jahrgangs 2009. Der Silvaner verströmte reife Frucht mit grasigen Elementen und Anklängen von Birne und Aprikose. Die mineralische Frische am Gaumen setzte einen gelungenen Kontrapunkt. Der Riesling war geprägt von reifem gelben Apfel und der namensgebenden Mineralität mit sehr viel Schmelz am Gaumen. Beide Weine bieten sehr viel Genuss fürs Geld! Der Bürgstadter Spätburgunder aus dem Jahre 2007 zeigte in der Nase eine milde Kirschfrucht mit Anklängen von Himbeeren. Rotbeerige Akzente mit mineralischer Untermalung geben insgesamt eine kernige Struktur ab. Der Frühburgunder aus dem Jahre 2008 strotzt mit den gängigen Aromen von Erdbeere und Himbeere. Am Gaumen gesellen sich noch ein paar Kirschextrakte dazu. Ein überraschenderweise schon jetzt sehr gut trinkbarer Rotwein mit Schmelz. Die Rotweincuvee Parzival aus dem Jahrgang 2007 präsentiert sich sehr zugänglich am Gaumen mit cremigen roten Früchten. Ganz anders dagegen das Große Gewächs vom Spätburgunder aus dem Centgrafenberg vom Jahrgang 2007. In Nase und Gaumen dominieren erdige rote Früchte mit einer kernigen Substanz. Der Wein ist erst ganz am Anfang seines Genußzyklus, macht aber trotzdem jetzt schon Spass. Eben eine souveräne Autorität!

Joachim Heger vom Weingut Dr. Heger startete mit einem Grauburgunder QbA trocken aus der Serie Vitus von seinem Zweitweingut Weinhaus Joachim Heger. Überraschenderweise fügte sich dieser Wein exzellent in die Serie ein, obwohl er ja eigentlich nicht in dieser Liga spielt. Sehr spannend waren die Fassproben vom Ihringer Winklerberg Spätlese trocken. Der 2009er Weißburgunder trumpft mit einer extrahierten blumigen Frucht auf. Lychie und Birne setzen der tollen Frische einen extravaganten Gegenpol. Der Wein hat eine Super-Länge und viel Extrakt, der 2009er Grauburgunder ist für die Rebsorte von den Aromen her fast schon zu perfekt. Birne und nussig-grasige Aromen werden am Gaumen von frischer Apfel-Birnen-Frucht abgelöst. Da versteht sich ein langer Abgang wie von selbst! Im Bereich bis 20 € ist so eine Qualität nur schwer zu schlagen. Das große Gewächs vom Grauburgunder aus dem Winklerberg tat sich, aufgrund der Jugendlichkeit, in der Nase noch etwas schwer. Am Gaumen macht sich dann aber mineralisch geprägte Birnenfrucht breit. Von der Konsistenz im Mund würde ich empfehlen, nochmal 6 Monate zu warten. Der Mimus in der Version 2007 macht schon sehr viel Spass. Wer allerdings die Aromen von frischem Holz nicht so verträgt, sollte auf ältere Jahrgänge ausweichen. Ansonsten gibt es Himbeere und Erdbeere in milder Melange aber mit kerniger Substanz am Gaumen. Der Achkarrener Schlossberg als Großes Gewächs vom Spätburgunder ist schon eine Nummer für sich. Auch hier folgt der Rat für die dem schmeckbaren Holzeinsatz nicht so freundliche gesonnenen Genießer, sich auf gereiftere Jahrgänge zu konzentrieren. Ansonsten erwartet Sie eine vanillige Himbeerfrucht in der Nase mit etwas Kirsche und einer extremen Dichte am Gaumen. Ein wirklich monumentales Erlebnis!

Helmut Dönnhof brachte keine Faßproben von seinen wie Diamanten gesuchten Großen Gewächsen mit! Aber auch die vermeintlich kleinen Weine haben es schon faustdick hinter den nicht vorhandenen Ohren! Der 2009er Riesling QbA trocken wirkte als Benjamin in dieser Reihe schon ziemlich halbstark! Die Nase war geprägt von Aprikose, Pfirsich und Grapefruit. Die Frucht setzt sich am Gaumen in Verbindung mit einer potenten Mineralität fast schon "größenwahnsinnig" in Szene. Kaum zu glauben, dass dies der kleinste Wein von Helmut Dönnhoff ist. Beim 2009er Tonschiefer Riesling QbA trocken läßt das Mehr an Mineralität die Fruchtkomposition etwas seriöser wirken. Am Gaumen setzen sich Apfel und Grapefruit durch. Der 2009er Felsenberg Riesling QbA trocken hat eine von Birne, Aprikose und blumigen Extrakten geprägte Nase. Die Mineralität setzt am Gaumen den Aromen von Apfel und Birne den perfekten Kontrapunkt. Der 2009er Weißburgunder QbA trocken ist etwas für Puristen. Wie nicht anders zu erwarten, wuchs der Wein ganz klassisch auf kalkigem Boden. Die Nase ist aktuell noch davon geprägt. Am Gaumen verleihen sortentypische Apfeltöne dem Wein viel Seriosität. Bei der 2009er Riesling Spätlese, Niederhäuser Hermannshöhle (noch nicht gelistet, sonst 33,40 €) zeigte sich die Fähigkeit des Meisters! In der Nase geben Marakuja und Pfirsich feingliedrig und unaufdringlich mit leichter Frucht ein Stelldichein. Eine akzentuierte Säure in Verbindung mit einer solventen Mineralität sorgt für einen seriösen Auftritt. Als Finalwein wurden wir per Fassprobe von einer 2009er Riesling Auslese Goldkapsel von der Oberhäuser Brücke verwöhnt. Aus Lychie, Feige und Aprikose wurde mit viel Finesse und Mineralität ein bezahlbares edelsüßes Gesamtkunstwerk komponiert. Einfach ganz großes Kino. Die Preise für die Weine des schweizer Starwinzers Daniel Gantenbein sind mit 75 € bis 100 € außerhalb jeglicher Schnäppchenregionen angesiedelt. Selbst als Weinhändler hat man da sehr selten Gelegenheit, in dieser Preisregion etwas probieren zu dürfen. Und, ist es den Preis wert? Es kommt mal wieder darauf an. Wer häufiger die französischen Originale aus den Rebsorten Chardonnay und Pinot Noir aus dem Burgund in den höheren Qualitäten verkosten kann, wird sich mit Sicherheit freuen, die gewohnte Qualität in limitierter Auflage zum gewohnten Preis aus einer außerfranzösischen Region zu bekommen, die überwiegend nur Fachleuten bekannt ist. Sie dürfen also gerne an Puligny Montrachet und Vosne Romanee denken, wenn Sie einen solchen Tropfen im Glas haben.