Weinberg 24
Weinberg 24

Blitzbesuch bei der Winzerelite
Weingut Dönnhoff und Dr. Wehrheim

Herr Dönnhoff und Herr Kluth
Herr Dönnhoff und Herr Kluth

Ende Juni ging es für den Weinexperten Birger Kluth zu einem Blitzbesuch an die Nahe. So ein erster Besuch bei einem so prominenten Winzer ist auch für einen gestandenen Profi wie Herrn Kluth aufregend. Innerhalb weniger Minuten wird sich jetzt entscheiden, wie viel Zeit der Meister Dönnhoff erübrigen will und welche Weine während des Weingespräches verkostet werden. Nachdem dieser Part von Herrn Kluth wohl mit positivem Ergebnis absolviert wurde, konnte er sich darauf konzentrieren, vielleicht ein paar Details zu seinen Weinen und ein paar Statements zu bekommen. Als erstes war herauszuhören, dass Herr Dönnhoff mit der teilweise wohl etwas zu dogmatisch manifestierten aktuellen Einstellung zur Reinzucht Vergärung so seine Probleme hat. Er ist der Meinung, dass der Einfluss von Reinzuchthefen sehr stark überschätzt wird. Schon der Name öffnet hier Tür und Tor für Missverständnisse und Fehlinterpretationen. Hier handelt es sich nicht etwa um ein Kunstprodukt, sondern um besonders saubere Hefestämme, die zu gewerblichen Zwecken im Labor reprodoziert wurden. Ein Vorgang der in der Natur genauso hätte stattfinden können. Ihm kommt es so vor, als sei die Fokussierung auf die Spontanvergärung eine zwanghafte Modeerscheinung, ohne die man keine Reputation am Markt genießt. Fakt ist erst mal, dass ein biodynamischer Winzer gegenüber einem Kollegen, der im Stil der 80er und 90er Jahre vinifiziert, imagemäßig einen riesengroßen Imagevorsprung hat. Da ist von Weinqualität noch gar nicht die Rede gewesen. Nach Meinung von Herrn Dönnhoff hängt die Weinqualität nicht elementar von der Hefe ab. Für schwierige Chargen würde auch er Reinzuchthefen, um jegliches Risiko bei der Gärung auszuschließen. Für Ihn sind akkurate Weinbergsarbeit mit Ertragsreduzierung wesentlich wichtigere Elemente, um einen hochkarätigen Wein herzustellen. Einen kleinen Zusatzluxus leistet man sich aber schon im Keller von Herrn Dönnhoff. Für jede Charge Wein, die den Hof erreicht, steht im Keller die die doppelte Menge an Ausbauvolumen zur Verfügung, Hier wird also aufgrund der Verfassung des Mostes entschieden, ob der Wein ganz oder teilweise im Holz oder Edelstahl ausgebaut werden soll. Als Fazit könnte man sagen, dass ein nach außen etwas unnahbar erscheinender Star-Winzer (dieses Wort mag Herr Dönnhoff überhaupt nicht) durchaus mit sehr viel Erdnähe beseelt ist. Trotz des Jet-Set-Status dieser Wein-Koryphäe erreicht ein einigermaßen qualifizierter Sommelier wie Herr Kluth am Ende eines sehr sympathischen Gespräches in etwa die Augenhöhe.

Nach seinem Besuch des Weinguts Dönnhoff führte ihn der zweite Teil seine Reise von der Nahe nach Birkweiler in die Südpfalz zum Weingut Dr. Wehrheim an, wo sich aktuell 3 Generationen mit der Produktion und dem Absatz der Weine beschäftigen. Hier war Situation eine ganz andere, da sich Herr Kluth und Karl-Heinz Wehrheim seit über 12 Jahren kennen. Die Ansprache und der Umgang sind also etwas legerer. Bei der Verkostung hatte Herr Kluth noch die Worte von Herrn Dönnhoff noch im Ohr, dass bei Weinen mit einem sogenannten Sponti-Ton der Winzer bei der Spontanvergärung irgendetwas falsch gemacht hat! Die zu verkostenden Weine waren alle spontanvergoren. Aber scheinbar hat Karl-Heinz Wehrheim alles richtig gemacht! Bei allen Weinen waren nur die rebsortentypischen Aromen zu schmecken, die Weine waren alle stoffig und grundsätzlich mit sehr humanen Alkoholwerten versehen. Mit dem Buntstück und dem Rotstück wurden zwei kleine Terroir-Weine neu in der Kollektion präsentiert. Optimal zur Kundensensibilisierung geeignet! Besonders bei seinen S-Qualitäten wird deutlich, was für ein hochreifer Jahrgang hier im Glas steht. Denn die sicher nicht ganz geringe Säure hat es bei diesen hohen Extrakten trotzdem nicht leicht. Natürlich sind auch die 2008er Großen Gewächse sehr gut trinkbar. Besonders in diesem ja eigentlich aus der trockenen Auslese entstandenen Bereich kann man sich gerne einmal trauen, bis zu 5 Jahre alte Gewächse zu kaufen. Meistens ist das ein sehr monumentales Erlebnis. Besonders zu empfehlen sind wieder mal die einfachen Qualitäten vom Spätburgunder und St. Laurent.