Weinberg 24
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Schloss Johannisberg

Das Weingut Schloss Johannisberg kann auf eine 900-jährigen Geschichte zurück blicken, wovon an dieser Stelle „nur“ die letzten 200 Jahre betrachtet werden. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 und der Niederlage Napoleons stand der Besitz von 1813 bis 1815 unter gemeinsamer Verwaltung von Österreich, Preußen und Russland. Im Zuge der Verhandlungen beim Wiener Kongress (1814-1815) kam es dann in Besitz des österreichischen Kaisers Franz I. (1768-1835), der es wiederum dem Fürsten Klemens Wenzel Lothar Graf Metternich-Winneburg (1773-1859) für seine Verdienste um den europäischen Frieden unter der Auflage schenkte, dass der Familie Habsburg oder deren Rechtsnachfolger jährlich ein Zehent vom Ertrag zu entrichten sei. Diese Vereinbarung gilt übrigens noch bis heute und der Nutznießer ist die Republik Österreich. Im Jahre 1942 wurde das Schloss bombardiert und fast vollständig zerstört. Der Urenkel des Staatskanzlers Paul Alfons Metternich baute es bis 1965 wieder im alten Glanz auf. Die Metternich-Nachkommen residieren heute immer noch am Schloss. Inhaber des Weingutes ist die „Fürst von Metternich GbR“, Verwalter ist Christian Witte und Kellermeister Hans Kessler (die übrigens auch für das in Nachbarschaft liegende Weingut G.H. von Mumm verantwortlich sind).

Die Weinberge umfassen 35 Hektar Rebfläche in der im Monopolbesitz befindlichen Lage Schloss Johannisberg, die sich unterhalb des Schlosses in einer Seehöhe von 114 bis 182 Meter mit 10 bis 45% Hangneigung erstreckt. Schloss Johannisberg ist administrativ ein eigener Ortsteil von Geisenheim, was mit dem Weingesetz von 1971 das Recht verleiht, den Lagennamen ohne Ortsbezeichnung auf dem Flaschenetikett zu führen. Die Böden bestehen aus steinigem Löss und Lehm mit Taunusquarz im Untergrund. Genau durch diesen Weinberg verläuft als geographische Besonderheit der 50. Breitengrad, der ja gemeinhin als nördliche Grenze für den kommerziellen Weinbau gilt. Das ausgezeichnete Mikroklima erlaubt es jedoch, dass hier auch Feigen, Mandeln und Zitronen reifen.

Nach einer Ganztraubenpressung werden die Weine langsam und kühl vergoren. Farben kennzeichnen die Qualitätsstufen. Das sind gelb für Qualitätswein, rot für Kabinett, grün für Spätlese, rosa für Auslese, rosa-gold für Beerenauslese, gold für Trockenbeerenauslese und blau für Eiswein. Als Jahrhundertwein wird der Eiswein des Jahres 1996 bezeichnet, der am 26. Dezember frühmorgens bei klirrender Kälte gelesen wurde und 180 °Oechsle Mostgewicht und 18,9 Promille Säure aufwies. Jährlich werden rund 260.000 Flaschen Riesling produziert. Durch die sehr kritische eigene Einstufung der Weine kann man den Prädikaten guten Gewissens eine Stufe dazurechnen, um einen im Gebiet vergleichbaren Preis/Leistungs-Maßstab zu erlangen.

Neben der Ganztraubenpressung und der anschließenden langsamen gekühlten Vergärung werden die Jungweine sehr schonend behandelt und meistens im traditionellen Holzfass ausgebaut. Die Anstrengungen der letzten Jahre wurden in der aktuellen Auflage des Wein-Gault-Millau mit der Auszeichnung „Kollektion des Jahres“ belohnt.

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